Bollwerk

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Führung Bollwerk

DAS BOLLWERK (Conny)

Mächtiger Geschützturm aus dem Jahr 1503, Erbauung unter Landgraf Wilhelm II. (Großvater vom Schlosserbauer Landgraf Georg I.). Bollwerk hat schon 500. Geburtstag gefeiert!!

Im Volksmund auch „Krautbütt“ genannt (wegen Ähnlichkeit mit den fassartigen Gefäßen zur Aufbewahrung des Sauerkrauts, die, aus Sandstein gehauen, früher in den Kellern der Bauernhäuser standen und heute oft als Blumentröge in Gärten und Höfen stehen).

Der Bau des Bollwerks als Teil der Festung wurde wegen der Erfindung des Schießpulvers erforderlich und war wichtiger Teil des Umbaus der mittelalterlichen Burg zu einer neuzeitlichen landesfürstlichen Festung. Konkreter Anlass war damals ein drohender Krieg zwischen Hessen und der Kurpfalz. (1504 kam es dann tatsächlich zum bayrisch-pfälzischen Erbfolgekrieg, bei dem Lichtenberg verschont blieb, dem Landgrafen aber das pfälzische Groß-Umstadt zufiel. Im 30jährigen Krieg (1618-1648) war das Bollwerk einer der bedeutendsten Stützpunkte im Odenwald.)

Architektur: Der „Batterie-Turm“ (Die Bezeichnung leitet sich von der Batterie ab, einer Gruppe von mehreren Geschützen.) ist 15 m hoch, hat 3 Geschosse, einen Umfang von 60 m, 6 m dicke Mauern. Zur Verteidigung des Eingangs ist unmittelbar darüber eine Pechnase mit gotischen Verzierungen (es konnte kochende Flüssigkeit auf den Feind geschüttet werden). Der untere Innenraum besitzt 4 große Schießscharten, die für Geschütze/Kanonen bestimmt waren (die hier noch 1735 aufgestellt waren). Der kreisrunde Schacht in der Mitte des Turms diente dem Abzug der Pulvergase, dem Transport von Geschützrohren, Munition sowie Proviant und der Durchsage von Befehlen.

Im ersten Geschoss befinden sich Schießnischen, die gerade so groß sind, dass Büchsenschützen darin stehen konnten.

Im Treppenverlauf folgen verschiedene Schießscharten und ein in spätgotischen Formen gehaltener Eingang einer Abortanlage (als vorspringender Erker von außen sichtbar).

Das oberste, offene Geschoss diente als Wehrplatte der Aufstellung von größeren Geschützen und ehemals stand hier noch ein kleines Wachthaus, das den Eingang der Treppe schützte (man kann das Fundament noch gut erkennen).

Optimale Lage auf einer alleinstehenden Granitkuppe (260m), ideal um die damalige Siedlung und das Schloss selbst zu schützen. Von hier aus konnte man alle Zugangswege zum Schloss unter Feuer nehmen.

Prächtige Rundsicht, die wir auch noch heute genießen können:

1.Treppe hoch: nach Südwesten Blick Richtung Dorfende Lichtenberg steigt die Altscheuer mit der Heuneburg (376m) auf,

nach Süden liegt unter uns das Dorf Lichtenberg, dahinter Obernhausen mit dem südlichen Teil von Niedernhausen und auf der Höhe Nonrod (350m),

weiter nach rechts das obere Fischbachtal, im Vordergrund zunächst der Herrnsee (weite Wiesenfläche, die 1623 durch Ablassung des Sees, ein ehemaliger Fischteich der Landgrafen, geschaffen wurde.), dahinter ahnt man Billings, oben sichtbar ein wenig von Messbach (im Wald Rimdidim (498m)) und am Talende die ersten Häuser von Steinau und darüber die dichtbewaldete Neunkirchner Höhe (605,5m), höchster Berg des hessischen Odenwaldes (Radarturm erkennbar, Kaiserturm leider nicht),

nach Westen Blick Richtung Bergstraße, Neutscher Windräder, daneben der Frankenstein (394m) mit gleichnamiger Burg und bei guter Sicht den Taunus,

2. Treppe hoch: nach Nordosten Blick über Groß-Bieberau, Reinheimer Bucht, Dieburg, Groß-Umstadt, Kohlekraftwerk Groß-Krotzenburg (Kühltürme),

weiter nach Osten Blick auf den Basaltkegel des Forstberges (236m) bei Ueberau, sowie den Basaltkegel des Otzbergs und der östliche Odenwald

und direkt vor uns der 7. Ortsteil von Fischbachtal:Campingplatz Odenwaldidyll.

Der Sage nach soll es einen unterirdischen Gang zwischen Bollwerk und Schloss gegeben haben (nicht möglich zur damaligen Zeit bei felsigem Boden!). Tatsächlich hat einmal ein starker Palisadenzaun die beiden Gebäude verbunden.

Neben Maurern und Steinmetzen wurden viele Bauarbeiten im Frondienst (Dienstleistung von Bauern an ihre Grundherren) ausgeführt, vor allem der Transport von Baumaterial.

Nachdem  Mitte des 18.JH fast alle Verteidigungsmittel (Kanonen, Handfeuerwaffen) nach Darmstadt abtransportiert wurden, verlor das Bollwerk seine Funktion als Verteidigungsturm und verwahrloste.

1827 Beschreibung des Bollwerks vom Topographen Wagner: „Das Bollwerk befindet sich nicht weit vom Schlosse, ist ein runder, halbverfallener, mit Gesträuch bewachsener Thurm, der von ausnehmender Festigkeit ist.“

Tatsächlich stand zur damaligen Zeit ein Baum oben auf !

Ab 1829 erfolgten Reparaturen, da mittlerweile Fremde wegen der Aussicht (Zeit der Romantik) zur Besichtigung kamen. 1845 wurde vom Oberfinanzrat angeordnet, den Baum zu entfernen und die Treppe von Gras zu befreien.

Im 2. Weltkrieg diente das Bollwerk der Bevölkerung als Schutzkeller bei Fliegeralarm.

Bis heute ist das Bollwerk ein weithin sichtbares Wahrzeichen Lichtenbergs und beliebter Aussichtspunkt.

Wichtig bei Führung Bollwerk: Nur mit Gästen erkundbar, die gut zu Fuß sind. Unbedingt eine Taschenlampe mitnehmen, da es im Treppenverlauf stellenweise sehr dunkel ist. Immer beim Verlassen der oberen Wehrplatte die Eisentür offen lassen. Den Schlüssel für die Eingangstür bekommt man bei Lina Muth.

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Schlossführung Fischbachtal Aktiv 2012

Guten Tag liebe Besucher,

herzlich willkommen zu „Fischbachtal aktiv“ hier auf Schloss Lichtenberg!  Mein Name ist Cornelia Röder-Baltz, ich bin hier in Fischbachtal geboren, wohne auch in Niedernhausen und habe vor einigen Monaten eine Ausbildung beim Geopark Bergstraße-Odenwald gemacht. Weil viele danach fragen: ich bin keine Rangerin, sondern eine von insgesamt  9 Geopark-vor-Ort-Begleitern der Gemeinde Fischbachtal und darf Sie heute hier vor Ort begleiten☺

Ich freue mich, dass so viele Interesse haben an unserem schönen Schloss und an dessen Geschichte und möchte zu Beginn fragen, wie viel Zeit Sie für unsere Führung mitgebracht haben? …Sind Sie auch interessiert an Schlosskapelle, Museum, Kaisersaal?…Vorburganlage? Bei unseren heutigen Führungen können und wollen wir Ihnen nicht alles zeigen, denn wir wollen Ihnen Geschmack machen auf unser Führungsangebot. Ab Frühjahr 2013 können Sie bei uns ausführliche Führungen besuchen☺

Gut, dann starten wir gleich auf unserer Schlossterrasse, die offiziell zurzeit gesperrt ist, aber wir haben für heute eine Ausnahmeerlaubnis bekommen. Folgen Sie mir bitte…

Von hier oben haben wir einen sehr schönen Ausblick und der eignet sich sehr gut, um Ihnen zunächst –insbesondere für Nicht-Fischbachtaler- einen geschichtlichen Überblick zu geben:

(Fischbachtal mit seinen insgesamt sechs Ortsteilen. Gesamteinwohner: knapp 3000, Ndh. 1300, Ltgb. 650, Steinau+Bill. Je 320, Messbach+Nonrod je 120). Direkt vor uns Lichtenberg, im Tal Niedernhausen, Richtung Talende folgt Billings, oben kurz vor der Neunkirchner Höhe Steinau und versteckt im Wald Messbach und Nonrod.)

Vor uns liegt der kleine Ortsteil Lichtenberg heute mit 650 Einwohnern. Lichtenberg hat in seiner langen Geschichte –man glaubt es kaum- zweimal Stadtrechte bekommen, darauf gehe ich später genauer ein. Ganz am Ende von Lichtenberg, oben im Wald in der Nähe des Sendemasts, dort beginnt eigentlich die Geschichte von unserem Schloss und seinen Vorgängerbauten. Denn vor über 2000 Jahren wurde auf diesem Berg, der Altscheuer, eine Ringwallanlage gebaut, die sogenannte Heuneburg. Wer diesen Ringwall gebaut hat, weiß man nicht genau, man geht aber von den Kelten aus. Kelten, Germanen, Römer, Alemannen, sie haben alle dort ihre Spuren hinterlassen und diesen Platz genutzt als Fliehburg, Kultstätte, militärisches Zentrum und als einen herrschaftlichen Verwaltungsmittelpunkt.

Also Lichtenberg war bereits vor 2000 Jahren ein wichtiger territorialer Mittelpunkt!

Diese besondere geographische Lage nutzten dann auch im Mittelalter die Grafen von Katzenelnbogen und bauten hier weiter vorn  „uff dem lichten Berge“ ihre Burg. Und genau wo wir jetzt stehen – auf dieser Schlossterrasse-  da stand einmal der Palas, also das Hauptgebäude, der Burg. Dieser Bau, der sogenannte Katzenelnbogener Bau, ist erst vor 160 Jahren eingestürzt. Reste davon befinden sich übrigens im ehem. Eiskeller der Brauerei Schönberger…

Wir wissen, dass es bereits im Jahre 1227, also vor 800 Jahren,  einen ersten Grafen von Lichtenberg gegeben hat. Entweder hat er oder sein Vater die Burg erbaut. 300 Jahre später sind dann die Grafen von Katzenelnogen ausgestorben und die Landgrafen von Hessen erbten den ganzen Besitz. D. h. auch Burg Lichtenberg.

Lichtenberg wurde zur Landesfestung ausgebaut  u.a. 1503 mit dem Bau des Bollwerks. Lichtenberg war damals der Hauptort des nordwestlichen Odenwaldes.

Und dann von 1570 bis 1581 baute Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt das dreiflügelige Renaissanceschloss. Er hatte bei seinen Planungen für das Schloss auch ursprünglich vorgesehen, den Westflügel wesentlich länger zu bauen, aber dann ging ihm Geld aus, daher wurde der Katzenelnbogener Bau weiter genutzt und der Amtmann hatte darin seine Räume.

Hier auf dem Bild von Valentin Wagner von 1634 sieht man sehr schön die gesamte Anlage in der damaligen Zeit und man sieht den Katzenelnbogener Bau…leider nicht ganz korrekt, denn… Sie haben sich bestimmt schon gefragt, warum diese eine Wand komplett ohne Fenster ist? …und bei starkem Regen kann man die Verbindungstüren noch erkennen.

Und hier auf dem Bild aus der Romantik von 1855 (L.W. Bayrer und ist in Privatbesitz)  kann man diese Verbindungstüren noch sehen, der Katzenelnbogener Bau ist bereits verschwunden….und außerdem das Stadttor, welches in der Mitte des 19. JH abgerissen wurde und zwischen dem alten Gasthaus Schanz und dem Lichtenberger Musikinstitut stand.

Im Jahre 1312 bekam Lichtenberg zum ersten Mal Stadtrechte. Das wird in Groß-Bieberau dieses Jahr groß gefeiert…

Dieses Stadttor war auch die Vorlage für das Wappen von Lichtenberg und später von Fischbachtal. Kleine Unterschiede= künstlerische Freiheit☺ Wappen zeigen!

So, wir gehen nun gemeinsam ums Schloss…

Ostflügel Hier am Ostflügel an der Wölbung der Mauer sieht man sehr deutlich die Reste der alten mittelalterlichen Burgfundamente, die Mauerstärke beträgt hier 2 m !! (Restschloss 1,5 m). Der Ostflügel ist insgesamt 46 Meter lang.

Er ist der sog. „alte Bau“, der auf den Fundamenten der alten Grafenburg aufgebaut wurde. Anfang des 16. JH, 1516, wurde bereits ein neuzeitliches Gebäude erstellt, welches dann genutzt wurde, um den Ostflügel zu erstellen (spätgotisches Fenster neben Museumseingang). Man erweiterte dieses Gebäude und passte es dem Renaissancebaustil an.

Südflügel (Renaissancegarten, Architektur Schloss, Lichtenberger Stil, Fotos…)

Westflügel (Brandschutztreppe, Christkindhäuschen, Stadtmauer, Gefängnisturm, weitere Stallungen, Schwemme, Plan evtl. zeigen…)

Wir haben es also Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt zu verdanken, dass wir hier in unserem eher kleinen Fischbachtal ein so großes, mächtiges Schloss haben. Er hat sich damals entschieden hier zu bauen, weil er dringend einen repräsentativen Witwensitz benötigte. Er wollte nämlich heiraten und für die Heiratsverhandlungen war damals ein Witwensitz etwas ganz entscheidendes. Er hat dann auch schon 1572 geheiratet, obwohl das Schloss erst 1581 fertig gestellt wurde.

Schloss Lichtenberg war im Laufe der Jahrhunderte also

  • für die Gemahlinnen der Landgrafen Witwensitz, also Wittum
  • über mehrere Jahrhunderte hinweg Regierungssitz, bereits im Jahre 1440 gab es ein Amt Lichtenberg, das bis 1821 Bestand hatte, zur Verwaltung vom Amt Lichtenberg gehörte damals (Stand 1629) Fischbachtal, Modautal, Groß-Bieberau mit Stadtteil Rodau, Reinheim mit allen Stadtteilen, Roßdorf mit allen Stadtteilen, Ober-Ramstadt mit allen Stadtteilen sowie Wersau und Bierbach.
  • im 30jährigen Krieg Fluchtort vor der Pest
  • dann besonders im 18. JH sehr beliebter Ausgangsort für große Jagdgesellschaften,
  • bis 1848 Landgericht in Lichtenberg, wurde nach Reinheim und dann nach Dieburg verlegt, dann fiel Lichtenberg in eine Art Dornröschenschlaf
  • bis zu Beginn des 20. JH der Gastronom und Bürgermeister Schellhaas Lichtenberg zu einem Luftkurort machte und Gästezimmer im Schloss einrichten ließ. Damals traf sich die bessere Gesellschaft der Rhein-Main-Region am Sonntag in Lichtenberg!
  • Nach dem 2. Weltkrieg wurden dann Wohnungen hier im Schloss für „ausgebombte“ Familien aus Darmstadt vermietet, einige wenige davon leben heute noch hier.
  • 1951 wurde das Museum gegründet, welches 1984 in seine heutigen Räume umzog.
  • Letztes Jahr wurde die Renovierung der Schlosskapelle und des Standesamts fertiggestellt und so kann man heute wunderbar auf Schloss Lichtenberg heiraten. Wer es noch vor sich hat…☺
  • Außerdem finden im Kaisersaal regelmäßig die weit bekannten Schlosskonzerte statt, ebenfalls Galerie mit Kunstausstellungen sowie dieses Jahr erstmalig am Adventsmarkt eine Krippenausstellung. Und wenn alles klappt, können wir nächstes Jahr wieder das beliebte Jazzkonzert im Sommer hier auf der Terrasse feiern☺

Zurück Richtung Schlosshof, dann entweder zur Vorburg oder in die Schlosskapelle, Kaisersaal, finito☺falls Besucher länger im Museum bleiben wollen, bitte Eintritt bezahlen.

Vorburg: 

So, sind wir jetzt alle im Mittelalter angekommen? Sehr schön, und noch dazu an einer sehr romantischen Stelle wie ich finde und die auch die wenigsten Besucher kennen. Auch von Weitem kann man diesen Teil des Schlosses nicht sehen und das wird sich aber bald ändern. Ab Oktober werden hier weitere Bäume gefällt, der sogenannte obere Ring um das Schloss bzw. Vorburg, so dass man dann besser die Gebäude erkennen kann und auch von weitem wieder die Vorburg sehen kann☺.

Die Gebäude selbst sind Marstall mit Burgschmiede und der gotische Torturm. Die Entstehung des Marstalls und der Burgschmiede gehen zurück ins Mittelalter, ein weiterer Ausbau zum Pferdestall und Kutschenhaus fand im 14. und 15. Jahrhundert statt.

Zehntscheuer. Diese wurde erstmals 1494 erwähnt. Dort mussten die umliegenden Bauern den zehnten Teil ihrer Ernte abgeben, der dort eingelagert wurde. Das war damals eine Art Steuer. Im oberen Teil der Zehntscheuer befindet sich auch die kleine katholische Kapelle, die dieses Jahr erstmals am Adventsmarkt in das Marktgeschehen eingebunden werden soll.

Die Grafen von Katzenelnbogen waren eine sehr bedeutende Adelsfamilie. Sie waren wohlhabend und besaßen insgesamt 16 Burgen. Lichtenberg war eine der frühen Burggründungen. Die meisten Burgen sind am Rhein zu finden, z.B. Burg Rheinfels bei St. Goar und insbesondere durch die Burgen am Rhein wurden sie sehr vermögend. Dort konnten sie nämlich reichlich Zölle kassieren.

Im 15. Jahrhundert ist das Grafengeschlecht ausgestorben. Graf Philipp der Ältere von Katzenelnbogen hatte zwei Söhne, die beide vor ihm gestorben sind. Aber er hatte noch eine schöne Tochter. Anna von Katzenelnbogen war damals die begehrteste Partie in ganz Europa (so ähnlich wie Prinzessin Viktoria von Schweden vor ein paar Jahren). Anna entschied sich für Landgraf Heinrich III. von Hessen und so kam es, dass nach dem Tod ihres Vaters 1479 der ganze Besitz derer von Katzenelnbogen auf die Landgrafen von Hessen überging. Von da an ging es auch mit den Landgrafen von Hessen bergauf.

Weiter Richtung Südflügel: Renaissancegarten

Nun sind wir am Südflügel angekommen. Und Sie sehen hier auch die aktuellste vollendete Baumaßnahme: der Garten wurde wieder in einen renaissanceähnlichen Zustand versetzt. Vor wenigen Tagen wurde dieser Garten offiziell eröffnet. Vielleicht haben Sie den schönen Zeitungsartikel im Darmstädter Echo darüber gelesen: „Lustwandeln zwischen Kräutern und Blumen“.

Ideal für Hochzeitspaare, denn direkt oberhalb befindet sich das Standesamt und die Brautpaare können mit Ihrer Gesellschaft über die kleine Treppe nach Außen gelangen und hier im Renaissancegarten Ihren Sektempfang abhalten. Das kann ich Ihnen leider jetzt nicht bieten ☺

Die Gestaltung des Renaissancegartens war nicht einfach, da man keine alten Planzeichnungen mehr hatte. Der Landschaftsarchitekt hat sich dann daran orientiert, dass der Erbauer Georg I. den Baustil der Renaissance sehr liebte. Diesen Stil hat man dann versucht hier umzusetzen und auch die sehr prägende Farbgestaltung des Schlosses selbst, nämlich weiß und rot. Daher weißer Kies und roter Sandstein.

Bei der Bepflanzung wusste man, dass bereits zu der Zeit, als im Standesamt noch der Justizamtmann sein Refugium hatte, es eine kleine Küche gab und daher folgerte man, dass wohl hier draußen auch einiges für den Küchenbedarf angebaut wurde. Daher wachsen heute hier wieder Küchenkräuter, Lavendel und Apfelbäume.

Wir hier im Fischbachtal sind jedenfalls sehr dankbar, dass das Land Hessen viel Geld investiert, damit unser Schloss nach und nach wieder immer schöner wird☺

Möchten Sie noch etwas hier verweilen? Dann erzähle ich Ihnen noch etwas über unseren Schlossherrn und seinen Schlossbau.

  • Der Bauherr, Landgraf Georg I., (Bild zeigen!) hat mit unserem Schloss den ersten Renaissancebau in Südhessen geschaffen. Georg I. war gerade mal 23 Jahre, als er in Lichtenberg anfing zu bauen. Er war ein sehr architekturinteressierter Mann und er ist, bevor er sich für diesen Baustil entschieden hat, viel gereist, sogar bis nach Italien, in das Ursprungsland der Renaissance. Hier in Lichtenberg hat er dann, mit Unterstützung seines Baumeisters Jakob Kesselhut,  einen eigenen Stil kreiert, den sogenannten „Lichtenberger Stil“. Viele andere Bauwerke wurden später dann nach diesem Stil geschaffen, erkennen Sie diese???????????? (Fotos zeigen) und Jagdschloss in Kranichstein und viele mehr.
  • Wenn Sie einmal nach oben schauen, können Sie sich die Fassade unseres Schlosses betrachten:

Sehr typisch für den Lichtenberger Renaissancestil sind:

  • Viele weiße Flächen ohne besonderen Schmuck, lediglich Betonung durch
  • die Zwerchhäuser oben am Giebel, damit versuchte man den Eindruck der Höhe noch zu verstärken, dazu die Voluten, Muschelaufsätze und Kugeln und
  • Betonung an den Portalen (Innenhof) und
  • Betonung durch die Eckquader in rotem Sandstein und ganz typisch
  • die langen Fensterreihen. Die Leute vom Fischbachtal meinten in früheren Zeiten: Unser Schloss hat so viele Fenster, wie das Jahr Tage hat! Und tatsächlich müssen es insgesamt mehr als 300 Fenster sein. Gut, dass man hier keine Hausfrau sein muss ☺!!
  • Übrigens Kinder: unser Schloss wird von Drachen bewacht. Sehr Ihr die Drachen oben am Dach. Davon gibt es insgesamt 3 Stück und wenn es viel Wind gibt, dann heulen die sogar!!
  • (Das Schloss wurde früher als „hoher, strenger Bau“ bezeichnet, was im Vergleich zu anderen Renaissancebauwerken sicher nicht verkehrt ist – und was wohl der Wesensart des Erbauers entsprach).

Weiter Richtung Westflügel:

Hier unten sehen Sie das sehr bekannte Christkindhäuschen von Schloss Lichtenberg. Nun, wie kam denn dieser Wachturm zu diesem Namen? Kennt jemand von Ihnen die Geschichte? Ja, so war es. In früherer Zeit, als die Kinder noch keine Computer, Handys und Fernseher kannten, sagte man, dass wenn hier im Wachturm in der Vorweihnachtszeit Licht brannte (vielleicht war es auch nur der Mond, der sich in den Fensterscheiben spiegelte), dass dann das Christkind vom Himmel herabgestiegen sei und mit seinen Engeln damit beschäftigt war, die Weihnachtsgeschenke für die Kinder herzustellen. Heute können Kinder ihre Wunschzettel dort einwerfen und das Gasthaus Alt Lichtenberg beantwortet dann diese. Schöne Idee, die viel genutzt wird in der Adventszeit.

Neue Brandschutztreppe: Dies ist das neueste Bauwerk, welches für reichlich Wirbel gesorgt hat!! Wird aber wieder entfernt, sobald die Brandschutzsanierung im Schloss abgeschlossen ist.

Weiter zum Balkon mit Blick auf Burg- und  Stadtmauer (dazwischen Renthayegarten) und Burgsiedlung:

Von hier hat man einen sehr schönen Blick auf die ehemalige Stadt Lichtenberg und ihre Stadtmauer.  Wer nicht in Groß-Bieberau beim historischen Umzug war: 1312 erhielt Lichtenberg zusammen mit Groß-Bieberau die Stadtrechte und dieses 700jährige Jubiläum wird zurzeit in unserer Nachbarstadt groß gefeiert. Damals verlieh Kaiser Heinrich VII. diese Rechte, weil sein Gefolgsmann Graf Dieter VI. von Katzenelnbogen mit ihm nach Rom gereist war, wo er dort als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches“ gekrönt wurde. Nun Lichtenberg, die Burgfreiheit, war damals sehr klein, daher wurde auch der Markt im benachbarten Groß-Bieberau abgehalten.

Der „Aussichtsbalkon“ weiter vorne war ursprünglich der Gefängnisturm und führte hinab ins Schlossgefängnis.  Und noch weiter vorne gab es Pferde- und Rinderstallungen sowie die „Schwemme“=Pferdetränke. Im 19. Jahrhundert wurde alles abgerissen und zugeschüttet. (Plan zeigen!) 

Wir gehen nun zurück (Risalite (Geheime Gemächer =Abortanlagen)   

Beim Pfortenhaus  kurz erwähnen Zentscheuer, Marstall, Burgschmiede, Torhalle/Torturm und Wehrgang, Burglinde). Übrigens dieses Jahr erstmals am Adventsmarkt Nutzung der kleinen Kapelle!

Brunnenbütte mit Renaissanceornamenten/Beschlagwerk verziert, damals „Springender Brunnen“, da der Adel die Wasserkunst so liebte (aus 4 km entfernt kam Wasser in Holzrohren).

Wappenportal im Schlosshof: extra aus Straßburg kam der Bildhauer Hartmann Besserich, der 1575 dieses Hochrelief-Allianzwappen gearbeitet hat. Zeigt die Wappen der Familie von Georg I. und seiner Gemahlin Magdalene zur Lippe.

Museum + Eingang Schlosskapelle

Zunächst erklären, was für Abteilungen wir im Museum haben:

  • Ganz oben: wertvolle Zinnfiguren-Sammlung, Odenwälder Gäulchen und Schreibgeräte sowie Sammlung Original-Gemälde Johannes Lippmann
  • In der Mitte: Geo-Naturpark-Ausstellung mit der Entwicklung der Landwirtschaft von der Steinzeit bis in die Gegenwart und Bäuerliche Gerätschaften nebst einer alten Apotheke
  • Unten: das alte Handwerk
  • Falls Sie später das Museum ausführlicher besichtigen wollen, bitte Eintritt bezahlen.

Schlosskapelle:

Rückwand: Verbum Dei manet in aeternum = Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit

+ Wappen der Landgrafen und Grafen von Katzenelnbogen

1571 erste Nutzung, wenige Jahre danach Verlegung in die oberen Stockwerke, erst 1712 wieder zurück.

Wände waren zur Bauzeit weiß/rot(schwarze Striche, 1712 hellgelber Wandton, Restauration 2009-2010 in Ausstattungsphase von 1712. Altar übrigens aus Resten der Empore (Bild zeigen!)

Wölbung der Außenmauer zeigen.

Gemälde erklären (aus dem 18. JH, Rundbild (Tondo), war ehemals rechteckig und einfarbiger Hintergrund, wurde zusammen mit der Schlosskapelle restauriert. Auf Schriftband steht: Ecce Agnus Dei (Siehe das Lamm Gottes).

Einmal monatlich Gottesdienst +viele Trauungen (ideale Location für Hochzeiten!).

Kaisersaal:

  • Original Bilder von Johannes Lippmann, der „Maler des Odenwalds und seiner Menschen“ (1858 in Offenbach geboren, lebte lange Jahre in Lichtenberg, hauptsächlich Landschaftsmalerei und Portraits der hier lebenden Menschen), erhielt den Georg-Büchner-Preis und war Ehrenbürger der Gemeinde.
  • Original Stuckdecke aus der Erbauungszeit (Vorlage Sebastiano Serlio)
  • Türportale leider verbrannt in DA
  • Herrlicher Ausblick
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Landgraf Georg

landgrafgeorg

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Die Kernbacher Hütten

Inmitten des Fischbachtaler Waldes finden wir den Walddistrikt mit Namen “Kernbach”.

Der Name “Kernbach” entstammt dem althochdeutschen Wort “Quirnbuoch” und bedeutet nach heutiger Auffassung so viel wie “Buchenwald”. Hier, also mitten im Wald, an einem Ausläufer der “Altscheuer” finden wir zwei allein stehende Häuser – der Einheimische spricht von “de Hidde”. Wenn man diesen Ausdruck korrekt übersetzt liest sich dies so: “die Hütten”.

Die Entstehung der “Hütten Kernbach” wird zurück datiert mit dem 16. Jahrhundert und steht wohl in Zusammenhang mit dem Schloss Lichtenberg. Einstmals handelte es sich hierbei um die Behausung und Arbeitsstätte für Köhler und Waldarbeiter. Zeuge hiervon liefert noch eine alte, aufgelassene, Köhlerplatte unterhalb der Kernbacher Hütten. Auch im näheren Waldumfeld finden sich noch derartige Spuren. Die hier ansässigen Köhler waren wohl wichtig für die Versorgung des Schlosses mit Holzkohle.

Im Jahre 1907 erhielt die “Kernbachhütte” bzw. natürlich ihr Inhaber eine Schankkonzession. Diese stand wohl in engem Zusammenhang mit der Schellhaas´chen Hotellerie in Lichtenberg. Das beliebte Ausflugs- bzw. Wanderziel bestand als Gaststätte bis ins Jahr 1965. Heute sind die “Hütten Kernbach” nach wie vor im Wald zu finden und dienen als normale Wohnhäuser.

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Die Gerichtsbarkeit im Amt Lichtenberg

Vorgeschichte:

(In unserer Gegend findet man das fränkische Haus, im hinteren Odenwald mehr das alemannische Haus.)

Mit dem Sieg der Franken (König Chlodwig) gegen die Alemannen im Jahre 496 kam auch das Christentum in unser Land. Zu seiner Ausbreitung haben besonders die Klöster beigetragen und halfen dem fränkischen Reich bei dessen Aufbau.

Die Franken hatten ihr Land in Gaue eingeteilt. Das Fischbachtal und seine Orte gehörten zum Oberrheingau. An der Spitze eines Gaues stand der Gaugraf. Später nannte man die Gaue auch Grafschaften. Der unterste Verwaltungsbezirk war die Zent (Cent). Aus dem Lateinischen centum (=100). Die Zent umfasste ursprünglich 100 wehrfähige Männer mit ihren Familien.

Für uns zuständig war das Kloster Lorsch (Oberrheingau, westlicher Odenwald über Neunkirchen bis Lichtenberg), das Kloster Fulda (744 n.Chr. von Bonifatius gegründet) verwaltete u. a. den Bachgau und die Zent Umstadt mit der Burg Otzberg (1160 errichtet für die Vögte vom Kloster Fulda).

Die Klöster verbreiteten das Christentum und erschlossen neues Land, welches sie dann besiedelten und verwalteten. Kaiser und Könige haben ihr Land oft durch Vögte (= Lat. Advocatus=Beschützer, Vormund) verwalten lassen. Als Entlohnung erhielten die Vögte Güter und Ländereien als Lehen. Die Klöster wurden immer mächtiger und betrachteten mit der Zeit ihr Lehen als Eigentum. Auf diese Weise entstand in Deutschland die Kleinstaaterei, die sich bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gehalten hat.

Zu den ältesten Gaugrafen des Oberrheingaues gezählt werden die die Grafen von Katzenelnbogen und sie gehörten zu den bedeutendsten und reichsten Landesherrn im Rhein-Main-Gebiet. Ihr Land zerfiel in zwei getrennte Teile: Die Niedergrafschaft erstreckte sich von St. Goar und Braubach am Rhein nach Osten bis Bad-Schwalbach und der andere Teil, die Obergrafschaft Katzenelnbogen genannt, umfasste das Gebiet von Rüsselsheim über Groß-Gerau, Darmstadt bis Auerbach und die Zent Ober-Ramstadt, zu der auch Fischbachtal gehörte.

Gemäß des katzenelnbogischen „Landgerichtsbuchs“ von 1447 gehörten zur Zent Ober-Ramstadt:

Allertshofen, Asbach, Billings, Brandau, Dilshofen, Ernsthofen, Frankenhausen, Groß-Bieberau, Gundernhausen, Hahn, Haußen, Hottenbach, Hoxhohl, Illbach, Klein-Bieberau, Laudenau, Lichtenberg, Lützelbach, Meßbach, Neunkirchen, Neutsch, Modau, Rodau, Rohrbach, Roßdorf, Steinau, Überau, Webern, Wembach, Wersau.

Die „Kalbe von Reinheim“, die „Herren von Rodenstein“ sowie die „Herren von Wallbrunn zu Ernsthofen“  unterstanden mit ihren Dörfern direkt der katzenelnbogischen Zenthoheit und nicht der Zent Ober-Ramstadt, die sich Mitte des 15. Jahrhunderts mit dem Bereich des Amtes Lichtenberg nahezu deckte.

Zu der Zenthoheit gehörte vor allem die Zentgerichtsbarkeit. In der Zeit zwischen 1600 und 1609 wurde nach einer Neuordnung die Gerichtsstätte von ehemals Ober-Ramstadt, dann Reinheim nach Lichtenberg verlegt.

Die Haupttätigkeit des Zentgerichts bestand in der Aburteilung von Verbrechen und Vergehen, auch Verkäufe, Verpfändungen und Erbschaftsangelegenheiten gehörten dazu und es wurden Strafen verhängt (am Pranger stehen, Geldbußen bis zu Todesstrafen).

Mit dem Übergang der Obergrafschaft Katzenelnbogen an die Landgrafen von Hessen 1458 blieb Lichtenberg Amtssitz. 1629 gehörten zum Amt Lichtenberg 32 Orte und 4 Einzelhöfe:

Allertshofen

Asbach

Billings

Bierbach

Brandau

Ernsthofen

Frankenhausen

Georgenhausen

Groß-Bieberau

Gundernhausen

Hahn

Hausen

Herchenrode

Hoxhohl

Klein-Bieberau

Lichtenberg (Stadt)

Lützelbach

Meßbach

Neunkirchen

Neutsch

Nieder-Modau

Nonrod

Ober-Modau

Ober-Ramstadt

Reinheim (Stadt)

Rodau

Rohrbach

Roßdorf

Steinau

Überau

Webern

Wersau

Nach dem 30jährigen Krieg kam durch die Ansiedlung der Waldenser zum Amt Lichtenberg noch der Ort Wembach hinzu.

Lichtenberg, bestehend aus Schloss und Burg, mit dem Ort Obernhausen (bis 1971 Bestandteil der Gemeinde Lichtenberg) und der Kernbach blieb eine Gemeinde. Die Orte Niedernhausen mit Billings, Meßbach und Nonrod bildeten die Gemeinde oder Mark Waldhausen (war keine eigene Siedlung, sondern nur eine Sammelbezeichnung). Steinau gehörte zur Mark Rodenstein und wurde mit Lützelbach und Neunkirchen Oberdörfer genannt.

Amt Lichtenberg hatte insgesamt

1629 = 3355 Einwohner

1791 = 7671 Einwohner

(Waldhausen hatte 1629 ca. 140 Einwohner, Lichtenberg ca. 110 Einwohner und Steinau ca. 50 Einwohner. Während des 30-jährigen Krieges flohen viele Bewohner der umliegenden Dörfer nach Lichtenberg in und ums Schloss. Was der Hunger übrig gelassen hatte, raffte dann noch die Pest dahin. Viele Orte standen vollkommen leer, in anderen sank die Einwohnerzahl  auf weniger als 10%. (Nonrod z.B. war ausgestorben.) Der Westfälische Frieden wurde 1648 geschlossen, es dauerte allerdings noch 2 Jahre bis sich die Menschen halbwegs in Frieden fühlten.)

1805 kam zum Amt Lichtenberg noch Spachbrücken, Zeilhard und Dilshofen und 1806 noch Georgenhausen, Crumbach/Rodenstein und Brensbach.

Das Zentgericht Lichtenberg bestand bis 1806.

Das Landgericht Lichtenberg bestand von 1821 bis 1848. An seine Stelle trat dann das Amtsgericht Reinheim, später Dieburg (1968).

Lichtenberg war Jahrhunderte hindurch der Sitz des gleichnamigen Amtes und somit Verwaltungsmittelpunkt und Hauptort des nordwestlichen Odenwaldes! Zweimal erhielt es Stadtrecht (1312 und 1360). Lichtenberg war auch fürstliche Residenz mit höfischem Leben. Sogar die berühmten Minnesänger Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach weilten am Hofe in Lichtenberg.

Sage: Im Schloss Lichtenberg im Odenwald wandelt jede Nacht ein kleines weißes Frauchen herum. Sie steigt aus dem Keller herauf und durchstreift die Zimmer, indem sie aus der Wand herauskommt, mitten durch die Stube geht und dann in die gegenüberliegende Wand hineinschlüpft. Darum wollte lange Zeit keine Magd beim Assessor (Amtmann) dienen, der im Schloss wohnte.

Der Amtmann wohnte im sogenannten „alten Schloss“ aus der Zeit der Grafen von Katzenelnbogen. Es wurde unter den hessischen Landgrafen renoviert. Erst als der Amtmann in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts (also ca. 1760) in das neue Renaissanceschloss umzog, verwahrloste dieser Bau, bis er schließlich 1845 einstürzte. (Man nimmt an, dass der Katzenelnbogische Bau einst für die erste Gattin Philipp des Älteren erbaut worden war, welche auf Lichtenberg lebte.)

(Der Titel Assessor wurde ursprünglich nur von Juristen verwendet. Er entstammt dem spätrömischen Recht und wurde von den Beratern des Kaisers bei dessen Rechtsprechung getragen. Seit dem Mittelalter und der frühen Neuzeit hießen so Personen, die am Reichskammergericht und Reichshofrat, bei den Instanzengerichten der Territorien und an den juristischen Fakultäten der Universitäten Recht sprachen.

Hofgerichtsassessoren etwa wurden die Beisitzer an den Hofgerichten genannt, die schon im Mittelalter unter dem Vorsitz des Königs oder eines Fürsten bzw. eines Vertreters gebildet wurden; sie bestanden bis 1806.

Im 19. Jahrhundert (erstmals in Preußen mit dem Gesetz vom 6. Mai 1869) wurden Juristen, die das vierjährige Referendariat bei Gerichten, Staatsanwaltschaften, Rechtsanwälten und Notaren absolviert und die zweite, große Staatsprüfung bestanden hatten, zum Gerichtsassessor ernannt, bevor sie in der Regel nach einem Jahr in das Amt des Richters oder Staatsanwalts berufen wurden. )

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Prinz von Homburg

Friedrich II. von Hessen-Homburg, auch bekannt als Prinz von Homburg, (* 30. März 1633 in Homburg vor der Höhe; † 24. Januar 1708 ebenda) war Landgraf von Hessen-Homburg.

Friedrich war das siebte und letzte Kind des Landgrafen Friedrich I. von Hessen-Homburg.

Friedrich I. von Hessen-Homburg  (geboren am 5. März 1585 in Schloss Lichtenberg) war der jüngste Sohn des Landgrafen Georg I. von Hessen-Darmstadt (1547–1596) aus dessen erster Ehe mit Magdalena zur Lippe(1552-1587).

D. h. der Vater des legendären „Prinzen von Homburg“  war der  jüngste Sohn des Erbauers von Schloss Lichtenberg, Georg I.,  und somit dessen Enkel !!

Friedrich ist Held des Dramas Prinz Friedrich von Homburg oder die Schlacht bei Fehrbellin von Heinrich von Kleist (geschrieben 1809/1810, Erstveröffentlichung 1821). Die Figur hat mit der historischen Person allerdings nicht viel mehr als den Namen gemein. Neben dem Drama gibt es auch eine Oper Der Prinz von Homburg von Hans Werner Henze.

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Das Lichtenberger Schloss und seine Vorgängerbauten

Lange Zeit vor der Entstehung des heutigen Schlosses in Lichtenberg, bereits im Mittelalter befand sich auf dem Bergvorsprung in der Mitte des heutigen Fischbachtales in 278 Metern Höhe eine Burganlage. Sie entstand als Nachfolgeanlage des Ringwalles “Heuneburg” genannt, welcher sich auf der 376 Meter hohen Altscheuer befand, wo man die Reste der Wallanlage auch noch heute erahnen kann. 

Sie wurde unter den Grafen von Katzenelnbogen, die im 14. Jahrhundert ca. 8 Jahrzehnte von den Grafen von Sponheim abgelöst wurden, erbaut und stellte einen territorialpolitischen Mittelpunkt in der Region dar.

Zeugnis hiervon geben unter anderem folgende Tatsachen:

▪ 1228 nannte sich Diether IV. “Graf von Lichtenberg”

▪ Sonderrechtung durch die darunter liegende Burgsiedlung durch Kaiser Heinrich VII im Jahre 1312 an Graf Diether VI. von Katzenelnbogen

▪ Erneute Privilegierung durch Kaiser Karl IV. im Jahre 1360 für Graf Heinrich II von Sponheim

Als die Grafen von Katzenelnbogen im Jahre 1479 mit Philipp dem Älteren im Mannesstamm ausstarben gelangten die “Lande zu Lichtenberg” durch eine Erbtochter zusammen mit weiteren Hinterlassenschaften an die Landgrafen von Hessen. Unter der Herrschaft der Hessischen Landgrafen entwickelte sich um die Jahrhundertwende (15/16. Jahrhundert) aus der Burg eine Landfestung. Eine der Ursachen hierfür war unter anderem die Einführung von Feuerwaffen.

Auf die mittelalterliche Burg, die, wie die meisten Wehranlagen in dieser Art, einen Hauptturm und neben den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden eine die Burgsiedlung mit einschließende Befestigung aufwies, folgte die Festung. Bedeutendstes (und auch heute noch sichtliches) Merkmal des Ausbaus der Burg Lichtenberg in eine Landfestung ist das Bollwerk. Dieser mächtige Geschützturm entstammt aus dem Jahre 1503. Er war mit den Mauern der Festung durch einen starken Palisadenzaun verbunden. (Einen Unter- irdischen Verbindungsgang gab es hingegen landläufiger Meinung aber eher nicht – hierfür war das Gestein zu hart).

Einen ersten Schritt hin zu einem heutigen Schloss machte man durch die Errichtung des sogenannten “alten Baus” im Jahre 1516 – es handelte sich um den heutigen Ostflügel. An seiner Außen-Fassade kann man noch einen Teil des Grundrisses der mittelalterlichen Burg erkennen. Dieses Bauwerk diente zunächst lediglich als Fruchsschütte und Speicher. Gegenüber dem Bauwerk, auf der anderen Seite des Hofes, stand das so- genannte “alte Schloss” aus der Zeit der Grafen von Katzenelnbogen. Es wurde unter den Hessischen Landgrafen renoviert. Erst als der Amtmann von Lichtenberg in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in das neue Renaissanceschloss umzog verwahrloste das “alte Schloss” und stürzte 1845 endgültig ein. Man nimmt an es war einst für die erste Gattin des Grafen Philipp des Älteren erbaut worden, welche auf Lichtenberg lebte.

Das einstige Katzenelnbogen Gebäude nahm einen Teil der jetzigen Terrasse ein, stand aber in einem spitzen Winkel zur Nordmauer des heutigen und späteren Westflügels.

Die Vorgängeranlage des heutigen Schlösse besaß auch einen typischen Hauptturm, auch Bergfried genannt, im Bereich des heutigen Schlosshofs. Der Turm wurde wegen des Baus des neuen Schloss abgerissen, dies geht aus einem Dokument von 1629 hervor. Übrigens gab es bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auch eine Äußere Toranlage in Lichtenberg, in der Mitte der heutigen Landgraf-Georg-Straße. Man kennt auch noch einen hinteren Turm und den Gefängnisturm auf der Mauer dessen Reste noch heute im inneren Mauerbering sichtbar sind.

Bauherr des heute existenten Schloss Baues in Lichtenberg war Landgraf Georg I. von Hessen. Dieser übernahm bereits im Alter von 20 Jahren, im Jahre 1567, die Regierung der Obergrafschaft Katzenelnbogen mit der Hauptstadt Darmstadt (dies gab seiner Linie die später unterscheidende Bezeichnung“Hessen-Darmstadt”).

Landgraf Georg I. begann den Bau des heutigen Lichtenberger Schloss bereits im Alter von 23 Jahren. Die Wahl in Lichtenberg ein zweites Schloss, neben seiner Residenz in Darmstadt, zu bauen hatte wohl verschiedene Gründe. Zum einen galt Lichtenberg als Mittelpunkt der Obergrafschaft von Katzenelnbogen – also fortan der neuen Grafschaft von Hessen-Darmstadt. Des Weiteren war die vorhandene Landesfestung in Lichtenberg durch das Bollwerk gut ausgebaut. Eine gewisse Bedeutung darf wohl auch darauf gelegt worden sein, in Lichtenberg gab es weder Pest noch Seuchen und es galt im Allgemeinen als ein “gesunder Ort”.

Mit dem in der Burganlage bereits vorhandenen moderneren Gebäude (gemeint ist der heutige Ostflügel – also das Museum) gab es zudem bereits ein Bauteil welches von seinem spätgotischen Baustil in ein etwaig entstehendes Renaissance Bauwerk integriert werden konnte – was ja schließlich auch geschehen ist.

Es begann alles mit einem Vertrag den Landgraf Georg I. am 24. Jänner 1570 mit dem Baumeister Jakob Kesselhut beging. Man begann damit den vorhandenen alten Bau (Ostflügel – im Jahre 1516 von Balthasar aus Darmstadt errichtet) welcher als Speicher genutzt wurde in seine heutige Gestalt zu verwandeln. Der vormals vorhandene Bergfried wurde ebenfalls bei den Bauarbeiten zum Schloss abgetragen, alles in allem dürften sehr vielfältige Bautätigkeiten nötig gewesen sein um die ehemals mittelalterliche Burganlage und Landesfestung in das heutige Schloss zu verwandeln. 1571 war der erste Bauabschnitt fertig, der spätere Ostflügel der Anlage war umgebaut und somit hatte der Landgraf ein bewohnbares und schlossartiges Gebäude zur Nutzung welches mit dem alten Schloss der Katzenelnbogen Grafen in Verbindung stand, geschützt wurde beides durch die 1500 errichtete Festung. Doch die Bautätigkeit ging in den Jahren weiter voran und bereits 1576 dürften die beiden Obergeschosse des Süd- und Westflügels errichtet worden sein.

Im Jahre 1577 wurde ein großer Aufwand betrieben um die künftige Wasserversorgung des Schlosses sicher zu stellen. Der bisherige Ziehbrunnen im Bereich der Burgfreiheit reichte hierfür nicht mehr aus. Man fand den “Lichtenberger Brunnen”. Das darüber liegende Gewölbe wurde mit einer Tür verschlossen, der Brunnen lieferte das Wasser über die erstaunliche Länge von 4 km hin zum Schloss. Die neue Wasserleitung mündete im Schlosshof in die heute noch vorhandene Brunnen Bütte aus 1577.

Im Jahre 1581 wurde das heutige Schloss Lichtenberg schließlich fertig gestellt, zu der Zeit war auf der heutigen Schlossterasse (wie bereits erwähnt) noch das Schloss der Grafen von Katzenelnbogen vorhanden welches im 19. Jahrhundert schließlich einstürzte. Ursprünglich sollte der Westflügel auf die Terrasse hin verlängert werden was aber niemals passierte.

Weitere Dinge gehen noch auf das Schloss Lichtenberg zurück, so der ehemalige Weinanbau im Gebiet des heutigen Fischbachtal – das Schloss erhielt im Jahre 1580 hierfür Fässer mit einem Fassungsvermögen von 133.000 Litern, der Landgraf verfügte in Lichtenberg allein über 12 morgen Weinberge. Des Weiteren wurde auch der ehemalige Herrensee (Gebiet zwischen Niedernhausen u. Billings) angelegt und mit Wasser befüllt. Ein weiterer Teich für die Fischzucht bestand wohl im Gebiet des heutigen Schwimmbades. Auch einen Jostsee in Niedernhausen gab es – im Gebiet des heute von Einheimischen als “de Deich” bezeichneten Territoriums.

Dies war natürlich nur ein kleiner Einblick in die Geschichte des Schlosses der niemals vollständig sein kann, daher sind Sie recht herzlich eingeladen einmal selbst in das Fischbachtal zu kommen und auch das Schloss und sein Museum zu besuchen – die Tür steht Ihnen offen.

Heute beherbergt das Schloss Lichtenberg neben dem Wohnbereich ein Museum welches unter anderem für seine umfangreiche Zinn- Figuren Sammlung bekannt ist. Näheres hierzu finden Sie unter der Rubrik Schlossmuseeum. Des Weiteren finden hier regelmäßig die weithin bekannten Schloss Konzerte klassischer Musik statt sowie in jedem Sommer diverse Galerieausstellungen im Kaisersaal. Weitere Sonderveranstaltungen wie zu die Odenwälder Abende oder auch Spinnabende runden das Angebot ab.

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Das Fischbachtal

Das Fischbachtal liegt im vorderen, nördlichen Odenwald, inmitten des UNESCO Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald.

Saftige Wiesen, die mit bewaldeten Hügeln abwechseln, kennzeichnen die Landschaft des vorderen Odenwaldes. Und über allem thront mächtig und stolz das Schloss Lichtenberg. Dieses ist durch sein interessantes Angebot (Konzerte, Museum, Sommergalerie) ein Anziehungspunkt für das gesamte Rhein-Main-Gebiet. Über 20000 Besucher finden während der warmen Jahreszeit ihren Weg nach Lichtenberg.

Durch die Gebietsreform 1971 wurden sechs einzelne Orte zum Fischbachtal zusammengefasst.

Die kleine Gemeinde, zugehörig zum Landkreis Darmstadt-Dieburg, besteht aus den Ortsteilen Billings, LichtenbergMeßbach, Niedernhausen, Nonrod und Steinau (in alphabetischer Reihung). Hinzu zählen darf man auch die Lichtenberger Ortsteile Obernhausen, Hütte Kernbach und Hottenbacher Hof. In diesen Ortschaften leben insgesamt ca. 2.700 Einwohner, davon alleine in Niedernhausen über 1.300.

Hieran kann man die ländliche Struktur dieser Gemeinde schon erahnen mit Orten in den oft nur wenige hundert Menschen leben.

 

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Christkindcheshäuschen von Schloss Lichtenberg

„Das Christkindcheshäuschen von Schloss Lichtenberg.“

Wenn man sich auf die Terrasse an der Westseite des Lichtenberger Schlosses stellt und in das Fischbachtal hinunter blickt, kann man auf der alten Festungsmauer ein kleines turmhaftes Häuschen erkennen. 

Hiervon heißt es: Wenn in der Weihnachtszeit das Mondlicht hinein fällt, dass es aussieht, als ob in seinem Innern Licht brennen würde, erzählt man den Kindern, das Christkind sei vom Himmel herab gekommen und arbeite mit seinen Engeln in dem Turmstübchen an den Weihnachtsgeschenken.

So beobachteten Generationen von Kindern das Christkindcheshäuschen sehr genau, denn wenn das Licht zu brennen scheint, ist das Christkind da und dann ist es bald Weihnachten.

In neuerer Zeit können hier Kinder ihre Briefe an das Christkind abgeben, sie erhalten sogar eine Antwort.

In Lichtenberg können Kinder ihre Wunschzettel zum „Christkindcheshäuschen“ bringen (Echo Online, 11.12.2016)

Der “Aufzug des Christkindleins” im Lichtenberger Schloss

Es gibt noch eine zweite Begebenheit passend zur Weihnachtszeit, welche auf Schloss Lichtenberg spielt.

Im Jahr 1632, also in der Zeit des 30jährigen Krieges (1618-1648), inszenierte der damalige Hofmeister des Landgrafen, von Schrautenbach (welcher in Rodau einst den Schrautenbacher Hof besessen hat dessen Hofhaus man noch an der Ortseinfahrt links erkennen kann), den Besuch des Christkindes.

Er betreute damals Prinz Ludwig, aus welchem später einmal Landgraf Ludwig VI. werden sollte, und seine kleine Schwester. Die beiden Kinder waren hier fern von ihren Eltern in der sicheren Geborgenheit der Lichtenberger Festungsmauern.

Hier sollte man vielleicht noch anmerken, natürlich handelte es sich nicht um das heutige Schloss Lichtenberg. Vielmehr war es damals der “altes Schloss” genannte Katzenelnbogen Schlossbau. Dieser war einstmalig anstelle der heutigen Schlossterrasse zu finden. Im 19. Jahrhundert stürzte er ein und wurde abgetragen.

Am Weihnachtsabend ließ der Hofmeister einige verkleidete Personen aus der Dienerschaft zu Pferd und zu Fuß mit einem besonders hergerichteten Wagen und Eseln im Schlosshof “aufziehen”. Einige von ihnen kamen dann in das Schloss, wo dte. Die Freude sei bei allen Anwesenden groß gewesen.

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